Übersetzung eines Artikels in The Journal of Regression Therapy,
Riverside CA (USA), Volume XIX, 2009, S. 27-36
Können wir eine ethische und wissenschaftliche Grundlage für Rückführungen erstellen?
von Jan Erik Sigdell
Präambel
In einer europäischen Gruppe kam es zu mehreren Auseinandersetzungen über ethische und wissenschaftliche Fragen im Zusammenhang mit Rückführungen, sowie sogar „elitäre“ Ansprüche diesbezüglich. Die Diskussion darüber berührt jeden überall der mit Rückführungen arbeitet und sollte auf einer öffentlichen Ebene in der Berufsgemeinschaft geführt werden. Ich möchte hier Kritik beantworten und eine Basis für unsere Arbeit skizzieren.[1]
Was sind Seelen?
Ein Kritikpunkt ist, dass jeder über Seelen und sogar Seelenteile spricht und keiner scheint sie definieren zu können.
Wenn es kein Selbst gibt, das den Tod des Körpers überlebt, dann gibt es auch keine Reinkarnation und Rückführungen in frühere Leben wären Unsinn. Die einzige gültige Art von Rückführung wäre dann das Bestreben, zu Erinnerungen aus der Kindheit oder eventuell aus dem Pränatalstadium im Mutterleib zurückzugehen.
Aber was ist eine Seele? Da wir mit Rückführungen unter der Hypothese der Reinkarnation arbeiten, haben wir ganz offensichtlich mit Seelen zu tun. Für uns ist hierbei eine einfache und pragmatische Definition genügend: Die Seele ist das eigene Selbst in einem Zustand, in dem es ohne Körper existieren kann. Verschiedene Lehren, Religionen und Philosophien sprechen über eine Aufteilung von diesem Selbst in zwei Teilen: Seele und Geist – und bis zu fünf oder gar mehr Teilen wie Hüllen (Sanskrit: koshas) oder Ebenen, welche eine Art von „Anatomie“ jenes Selbstes ausmachen. Das hat alles eine geringe oder keine Bedeutung in der praktischen Arbeit mit Rückführungen. Für den praktischen Zweck können wir die Seele einfach als all das zusammen betrachten.
Wo befindet sich eine Seele?
Immer mehr Physiker
teile heute die Auffassung, dass der Kosmos mehr als drei Dimensionen
hat, wie schwer es uns auch fällt, sich das vorzustellen. Dies
kann aber mit der Mathematik der theoretischen Physik erfasst werden,
was aber für die meisten von uns sehr abstrakt ist.
Unsere Wahrnehmungsorgane sind dreidimensional sowie deshalb auch unser Verstand, unser Denken und unser Bewusstsein. Viele finden es schwer zu glauben, dass es darüber hinaus etwas geben könnte, nur weil ihre Wahrnehmung auf bloß das „Materielle“ eingeschränkt ist. Wir sind für anderes blind.
Wenn wir normalerweise eine Seele nicht wahrnehmen, die den Körper vorübergehend oder endgültig verlassen hat, wo ist sie dann? Sie ist in anderen Dimensionen, wo auch Wesenheiten sind. Wenn wir sterben, „erwachen wir“ in einem Existenzbereich höherer Dimensionen und wir fangen langsam an, uns zu erinnern, dass wir schon vorher da waren. Bald haben wir keine Schwierigkeiten mit Wahrnehmungen jenes Bereichs, weil die Wahrnehmungsorgane der Seele multidimensional sind und ihn leicht auffassen. Wir wissen über diese Existenzebenen aus Rückführungserlebnissen Bescheid, in welchen wir den Klienten wieder haben erleben lassen, was er nach dem Tod in einem früheren Leben erlebte.
Ist dann diese Auffassung von Existenzbereichen wahr, oder nicht? Sie macht auf der Basis von etwas Wichtigem sehr viel Sinn: die Reproduzierbarkeit der Erfahrung solcher Bereiche. In der Wissenschaft wird ein Phänomen normalerweise als wahrscheinlich wahr betrachtet, wenn es reproduzierbar ist, d.h., dass es jedes Mal wenn es eintritt gleich oder sehr ähnlich ist. Viele können wegen ihres „wissenschaftlichen Vorurteils“ die Wahrheit solcher Erfahrungen nicht annehmen. Wir sind aber immer multidimensional gewesen, wurden aber derart in der dreidimensionalen Wahrnehmung verfangen, dass wir die anderen Bereiche vergessen haben. Nur wenige können mehr wahrnehmen: hellsichtige oder mediale Menschen (die wirklichen – es gibt hier natürlich auch solche, die etwas vormachen).
In einer Rückführung, die geistige und „esoterische“ Aspekte mit einschließt, wird ein „Fenster“ zu solchen Existenzbereichen geöffnet, was sich als sehr hilfreich erwiesen hat. Es wäre sehr schade, wenn man dieses Fenster schließen würde, nur weil einige nicht daran glauben wollen. Dass die meisten von uns über diese Dinge so wenig wissen, bedeutet nicht, dass dieses „Fenster“ zu öffnen falsch wäre, denn die Ergebnisse sind die Bestätigungen.
Gibt es Seelenteile?
Manche sprechen auch in dem
Sinne über „Seelenteile“, dass scheinbar ein Teil der Seele sich abtrennen und
weggehen könne, etwa wie wenn der Körper ein Glied verlieren und dann beide
getrennt weiterleben würden. Kann es so etwas geben? Nach einer uralten
schamanischen Lehre gibt es das. In solchen Fällen geht der Schamane auf
„Seelenjagd“, um den fehlenden Teil zu finden und ihn mit der
Hauptseele wieder zu vereinigen. Die Meinung ist, dass so etwas zum
Beispiel bei einem schweren Trauma geschehen kann, wie wenn jener
„Seelenteil” sich abtrennt, um nicht weiter leiden zu
müssen. Da in solchen Fällen diese Auffassung eine wirksame
Hilfe für den Klienten bedeuten kann, ist die Theorie sinnvoll, da
wir damit arbeiten und positive Ergebnisse haben können. Dies ist
aber kein gewöhnlicher Aspekt in Rückführungsarbeit.
Wenn jedoch ein Rückführender wählt, die Theorie in
einer geeigneten Weise anzuwenden und damit Klienten wirksam helfen
kann, was ist dann dabei falsch?
Psychologische Mechanismen in
Rückführung und Erinnerung
Ein anderer
Kritikpunkt ist, dass es über Mechanismen in
Rückführungsvorgängen und Erinnerungen an Klarheit
mangelt.
So was geschieht dann in einer Rückführung und was ist Gedächtnis? Es gibt verschiedene „Schulen“, die sich an unterschiedliche Rückführungstechniken und Methoden für Rückführungstherapie anlehnen, und niemand weiß hier die wirkliche Wahrheit. Diese unterschiedliche Theorien werden teilweise wahr und teilweise unrichtig sein. Auf dem derzeitigen Stand des Wissens kann niemand das ganze wahre Bild erfassen. Will jemand seine eigene Vorstellung aufoktroyieren, wird es zu einem Dogma, das mehr Schaden als Gutes bewirkt.
Auf dem derzeitigen Stand der Dinge ist die einzige zumutbare Haltung, gegenseitig die Theorien der Anderen zu respektieren, wohl wissend, dass wir und/oder sie teilweise oder ganz im Unrecht sein können. Wir müssen einander mit der Art nach unseren unterschiedlichen Theorien zu Arbeiten respektieren, solange das Vorgehen zu positiven Ergebnissen führt und nur selten zu mehr als nur geringen Komplikationen, und das nicht mehr als andere Methoden. Es gibt keine Methode oder Technik, die nicht in besonderen (seltenen) Fällen theoretisch zu einer begrenzten und vorübergehenden Komplikation führen kann. Es gibt auch keine Methode oder kein Vorgehen mit 100 % Hilfeleistung in jedem einzelnen Fall. Schließen wir wichtige Möglichkeiten aus, reduziert es sich zu minimaler Hilfe. Wir wollen nicht, wie man sagt, „das Kind mit dem Bade“ ausschütten.
Wer weiß denn wirklich, was in konventioneller Psychologie im Klienten vor sich geht? Es gibt da verschiedene Ideen und Theorien, und noch mehr so in der Rückführungstherapie, welche die Option von einer früheren Existenz in einem anderen Körper mit umfasst. Aber jeder seriöse und erfahrene Rückführende weiß, dass sein Vorgehen für Hilfeleistung an Klienten funktioniert – oder er würde bald keine Klienten haben.
Es wäre natürlich schön, wenn wir zu einer Art von „gemeinsamer Theorie“ kommen könnten, aber sie würde sich in ständiger Verbesserung und Berichtigung befinden, und wer nach heutiger Meinung recht hat, kann morgen falsch liegen, und umgekehrt. So weit können wir uns ehrlicherweise und realistisch nur mit Variationen vom Thema befassen, etwas wie verschiedene Orchester und Dirigenten die gleiche Musik in unterschiedlicher Weise spielen, manchmal sogar mit anderen Instrumenten. Strikte Konzertregeln einzuführen, würde zu einer ziemlich ungenießbaren Musik führen.
Auferlegung einer minimalistischen,
„wissenschaftlichen“ und materialistischen Weltanschauung
Was ich mit
„wissenschaftlich“ meine ist: gemäß der
etablierten Weltanschauung der Schulwissenschaft in ihrer derzeitigen
Form (die morgen ziemlich anders sein kann). Eine solche Auffassung
auferlegen zu wollen wäre potenziell schädlich, wie oben
erörtert. Ein Vorhaben, diktieren zu wollen, wie ein
Rückführender arbeiten und was er glauben soll, würde
wertvolle zusätzliche Techniken ausschließen, die
erfolgreich verwendet werden, nur weil einige nicht daran glauben
wollen.
Besonderer Schaden könnte verursacht werden, wenn spirituelle Aspekte ausgeschlossen würden. Diejenige, die nicht daran glauben, können unmöglich wissen, dass sie „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ haben. Sie müssen deshalb diejenige, die daran glauben, dementsprechend arbeiten lassen, solange sie positive Ergebnisse erzielen und keine wirklichen Komplikationen verursachen (jedenfalls nicht mehr, als ihre Kritiker). Eine „materialistische“ Rückführung kann nicht so vollständig sein, wie eine, die spirituelle Aspekte mit umfasst. Es mag sein, dass einige, die solche Aspekte mit einschließen, in einer ziemlich lockeren und „esoterischen“ Weise darüber sprechen und nicht gut definieren können, was sie tun. Das muss aber gar nicht bedeuten, dass das, was sie tun, falsch wäre. Es bedeutet oft, dass sie sich mit Aspekten und Begriffen befassen, die über das materialistische und „wissenschaftliche“ Weltbild hinausgehen und gleichwohl gültig sind. Leider tendiert das „wissenschaftliche Vorurteil“ dazu, ein einschränkender Faktor in unserer Welt zu sein.
Wenn wir mit Fällen arbeiten, die sich in Theorien über Anhängen von Seelen oder gar Wesenheiten an Menschen fügen, wer kann uns dann mit gutem gewissen daran hindern wollen? Schließlich arbeiten wir ja mit Seelen. Seelen, die heute im Körper des Klienten sind und früher in anderen Körper waren. Das ist die wirkliche Grundlage unserer Arbeit.
Mit welchem Recht können wir dann vorschreiben wollen, dass eine Seele nicht zumindest für eine kürzere Zeit in einem Zwischenzustand zwischen zwei Verkörperungen sein kann? Wir müssen selbstverständlich diese Möglichkeit offen lassen. Das führt unvermeidlicherweise zur Möglichkeit, dass eine Seele in einem Zwischenzustand in bestimmten Fällen sich an einen Körper anhängen kann, der nicht ihren ist. Kommt ein Rückführender unter dieser Annahme zum Ergebnis, dass dies so sein wird, sollte er dann nicht dem Klienten helfen, davon frei zu werden, auch wenn manche daran nicht glauben wollen? Die Möglichkeit von sich anhängenden Seelen auszuschließen, nur weil andere nicht daran glauben, könnte potenziell schädlich für den Klienten sein und ihn in einem ungünstigen Zustand belassen. Ich würde das für ein unseriöses Verhalten des Rückführenden halten.
Wenn wir alle Aspekte „abrasieren“ wollen, die zu „esoterisch“, zu diffus „spirituell“ und nicht wissenschaftlich begründet erscheinen (gemäß dem aktuellen Stand der Wissenschaft und der „Tagesmode“ in der Psychologie, die morgen ziemlich anders ein können), würden wir vielleicht 10 Rückführungen brauchen, um ein Problem des Klienten zu lösen, das sonst in einer einzigen Rückführung gelöst werden kann. Das würde zu nicht viel mehr als einer anderen Variante von Psychoanalyse führen und es wäre eine Art von „Rückführung“ der Technik selbst von dem Neuen zu hauptsächlich dem Alten, auch wenn das Letztere in neuer Weise durchgeführt würde. Es gibt erhebliche Zweifel über die Wirksamkeit der Psychoanalyse, siehe http://www.christian-reincarnation.com/Freud.htm. Ich hatte einmal eine Klientin, die mir sagte, dass eine Rückführung ihr viel mehr geholfen habe als eine ganze Reihe von Psychoanalysesitzungen, die sie vorher durchgemacht hatte.
Gibt es
Wesenheiten?
Was
ist dann eine Wesenheit? Wenn wir gemäß allen Indizien und
Erfahrungswerten annehmen können, dass eine Seele eine Zeitperiode
in einem Zwischenzustand verbringen kann, dann ist sie in jenem Zustand
eine Art von Wesenheit. Jedoch wird der Begriff „Wesenheit“
im üblichen Gebrauch meistens für eine seelenähnliche
Entität gebraucht, die nie in einem physischen Körper
inkarniert gewesen ist. Wer will dann wahrhaftig behaupten wollen, dass
es so etwas nicht gibt? Erfahrung und Empirie weisen tatsächlich
darauf hin, dass es solche Entitäten gibt und dass sie sich an
einen Klienten anhängen können.
So wie es „gute“ und „schlechte“ Menschen gibt, gibt es auch „gute“ und „schlechte“ Entitäten, obwohl „gut“ und „schlecht“ ziemlich subjektive Begriffe sind und mit dem Referenzrahmen unterschiedlich ausfallen (wie zum Beispiel die Religion). Kann eine Person wirklich schlecht sein? Wenn wir ihre Geschichte nachforschen, finden wir sehr oft, dass sie wegen einer traumatischen und gewalttätigen Kindheit dazu gekommen ist, Übles zu tun. Somit werden „gut“ und „schlecht“ zu ziemlich relativen Begriffen. Dass eine Person viel Leid verursacht hat, ist natürlich schlecht und wir wollen ihn schwer verurteilen. Wenn wir aber ihr Hintergrund kennen, wie können wir dann Urteilen? Wie Jesus sagte: „Verurteilt nicht, dann werdet ihr auch nicht verurteilt!“ Es ist natürlich unsere Pflicht die Opfer zu helfen und ihn daran zu hindern, solches zu tun, aber das ist eine andere Sache als Verurteilung. In Wirklichkeit braucht derjenige mehr Hilfe als mancher Andere, auch wenn er dies nicht einsieht.
Wir müssen davon ausgehen, dass es „gute“ und „schlechte“ Wesenheiten gibt. Die schlechten machen inkarnierten Seelen Schwierigkeiten und können ihnen Schaden zufügen, und die guten unterstützen und helfen inkarnierte Seelen. Die letzteren können wir „Geistführer“ oder „Engel“ nennen. Wenn wir annehmen, dass es sie gibt, wer kann dann mit gutem Gewissen einem Rückführenden oder Heiler verbieten wollen, eine Zusammenarbeit mit ihnen zu suchen? Wiederum würde die Auferlegung einer materialistischen Anschauung dadurch Schaden bewirken, dass eine Art von Arbeit verhindert würde, die tatsächlich für bestimmte Gruppen von Klienten sehr hilfreich sein kann (und man sie mit vielen ihrer Probleme belassen würde).
Beladen wir
Klienten mit nicht ursprünglichen Inhalten?
Es
wurde infrage gestellt, inwiefern es wirklich notwendig ist, mit
Suggestionen und Imaginationen eine Brücke zu einem früheren
Leben herzustellen, weil dies den Klienten mit „nicht
ursprünglichen Inhalten“ beladen könnte. Dies
würde auch die Frage aufwerfen, ob das erlebte „frühere
Leben“ wirklich eines des Klienten ist.
Heute arbeitet die konventionelle Psychologie recht viel mit Bildern und Imaginationen, wie das Katathyme Bilderleben nach Hanscarl Leuner und andere Methoden. Wenn wir Bilder und Imaginationen als Brücken zu vergangenen Erinnerungen (aus diesem oder einem früheren Leben) verwenden, was ist dann der wirkliche Unterschied? Was tun wir falsch, das die Psychologie nicht falsch tut? Richtig damit umgegangen sind diese keine Suggestionen, sondern Hilfsmittel. Solange der Klient weiß, was sie sind, ist es unwahrscheinlich, dass sie den Klienten eine Art von fremder Weltanschauung auferlegen.
Legen wir wirklich eine Weltanschauung der Reinkarnation dem Klienten auf, wenn er deshalb kommt, weil er diese Anschauung mit uns teilt? Wäre er gekommen, wenn er es nicht täte? Und wenn er etwas erlebt, das er mit einem früheren Leben verbindet und das wirklich hilft, um sein Problem zu lösen, welche Bedeutung haben dann Diskussionen über die Wirklichkeit des Erlebnisses für ihn? Gibt es dann nicht eher die Gefahr, dass solche Diskussionen sich sogar kontraproduktiv auswirken könnten und die therapeutische Wirkung umkehren? Der Klient könnte den erreichten Fortschritt verlieren.
Ist es dann ein früheres Leben und ist es sein früheres Leben? Das starke Indiz ist, wenn die Erfahrung wirklich geholfen hat und der Klient von einem möglicherweise lebenslangen Problem befreit wurde. Wie man sagt: „Wer heilt, hat recht!“ Ob es dann wirklich ein früheres Leben ist, wird eher zweitrangig, solange es hilft. Die unvermeidliche Hauptsache ist, dass der Klient die Hilfe erreicht, die er sucht. Oft gibt es genug Indizien in der „Geschichte“, die zu historischen Gegebenheiten der Vergangenheit passen. Aber kein Therapeut hat die Zeit und Mittel für eine umfassende historische Nachforschung in individuellen Fällen und er kann seine Zeit viel besser für andere Klienten verwenden, die noch warten.
Wenn die Wahrscheinlichkeit dafür groß ist, dass es sich um ein früheres Leben handelt, ist es auch sein früheres Leben? Wie könnte die Erfahrung helfen, wenn es das nicht wäre? Wie könnte er von einer lebenslangen Höhenangst frei werden, wenn er erleben würde, wie ein Anderer hinunterfiel und starb, oder von einer Geschichte, die nicht zumindest teilweise ein Teil seiner eigenen Geschichte ist? Ich glaube, dass er das nicht könnte! Er mag seine Symptome verringern, aber nicht völlig davon frei werden, und das Problem könnte später wieder auftauchen.
In eine Energie
hineingeraten, die nicht seine ist?
Ein
anderer Einwand ist, dass der Klient in eine Energie hineingeraten
könnte, die nicht seine ist. Wenn das in einem individuellen Fall
so sein sollte, nehme ich mit guten Gründen an, das es ihm
unbewusst schon vor der Rückführung so geschehen ist. In
einem solchen Fall wird sein Problem daher kommen, zumindest zum Teil.
Oder er mag, weil er das Problem hat, die Energie angezogen haben.
Sollte es also wirklich eine Art von fremder Energie sein, die mit dem
Problem zu tun hat, gibt es gute Gründe, um sich damit
auseinanderzusetzen.
Symbolische
Aspekte der Seele
Noch
ein Kritikpunkt betrifft die Anwendung von Modellen wie „inneres
Kind“, „höheres Selbst“, „geistiger
Helfer“, „Pfad ins Licht“, „Berg der
Wahrheit“, „Buch der Weisheit“ und Ähnliches. Da
diese Modelle nicht typisch vom Klienten kommen, sondern ihm zur
Unterstützung gegeben werden, könnte ihm die Anwendung davon
ein Weltbild auferlegen, das nicht seines ist.
Oben wurden theoretische Einteilungen in Seelenteilen oder -ebenen als eine Art von „Anatomie“ der Seele erwähnt. In vielen Methoden von Rückführungen wird eine Art von symbolischen „Assistenten“ verwendet, wie ein „innerer Führer“, „Helfer“, „innerer Arzt“ und Ähnliches. Dies ist ziemlich analog zu gewissen Formen von Bilderleben in mehr konventioneller psychologischer Arbeit.
Wenn der Klient ein früheres Leben hatte ist es offensichtlich, dass die Erinnerungen daran nicht im Gehirn sein werden, da er sonst ohne Rückführung zumindest ein Bisschen davon wüsste. Diese Erinnerungen werden in der Seele sein und kamen mit ihr in die gegenwärtige Inkarnation herein. Wenn wir solche „Assistenten“ verwenden, laden wir die Seele (oder einen geeigneten Teil davon) dazu ein, Hilfe zu leisten und mit einem Wissen zu unterstützen, wozu das Gehirn keinen Zugang hat. In einer richtig durchgeführten Rückführung machen wir diese Funktion des „Assistenten“ dem Klienten klar.
Wäre die Erinnerung nur im Gehirn, wäre sie mit dem Tod des Körpers verloren. Also ist es ganz offensichtlich, dass die Seele tiefere Erinnerungen trägt. Sonst wären Rückführungen Unsinn.
Was ist dann das „unbewusste Ich“? Es gibt nach meiner Meinung zwei Ebenen von unbewussten Erinnerungen:
Erinnerungen in der Seele, und
Erinnerungen, die im Gehirn „weggestaut“ sind, da sie jetzt nicht aktuell sind oder sogar unterdrückt wurden.
Erinnerungen im Gehirn können durch gewisse Umstände wieder wachgerufen werden, während so etwas für Seelenerinnerungen höchst unwahrscheinlich ist. Wollen wir den Zugang zu tiefen Erinnerungen in der Seele finden, werden wir auch diese Seele involvieren müssen und sie zur Mithilfe einladen, wozu solche „imaginäre Assistenten“ wirklich sehr hilfreich sind. Sonst werden wir mehr oder weniger „im Dunkel herumstechen“ und unsere Methodologie so einschränken, dass wertvolle Optionen für die Hilfeleistung an den Klienten ausgeschlossen werden.
Konversation in
einem hypnotischen Zustand
Es
ist behauptet worden, dass Konversationen stattfinden, während der
Klient im Tiefschlaf ist und doch auf Fragen antwortet. Oder dass er
behandelt wird, während er in tiefer Hypnose ist, aber sich
nachher an nichts erinnert. Damit wurde behauptet, dass dies nicht
Rückführungstherapie, sondern Hypnotherapie sei. Was ist dann
Hypnose?
Ist nicht jede
Rückführungsarbeit hypnotisch?
Viele
wolle die Meinung vertreten, dass es so sei. Was, aber, bedeutet das
griechische Wort hýpnos? Es bedeutet
„Schlaf“. So wenn der Klient nicht mehr oder weniger
eingeschläfert ist, passt dies nicht zur Definition. Wir
müssen zwischen zwei alternativen Zuständen in einer
Rückführung differenzieren:
ein hypnotischer Zustand, auf dem oft eine posthypnotische Amnesie folgt – sofern nicht die posthypnotische Suggestion gegeben wurde, sich an alles zu erinnern – und in dem der Körper mehr oder weniger unter Kontrolle des damaligen Ichs steht, und
ein nicht-hypnotischer „Alphazustand“, in welchem der Körper mehr oder weniger entspannt ist, aber das Ich sich sowohl „hier und jetzt“ wie auch „dort und damals“ bewusst ist, sodass das gegenwärtige Ich an das Erlebnis teilhat und sich nachher automatisch erinnert (Hans ten Dam nennt dies passend einen „elliptischen“ Zustand des Bewusstseins); ein Zustand, in dem der Körper hauptsächlich unter Kontrolle des gegenwärtigen Ichs steht.
Eine heute populäre Bezeichnung ist „veränderte Zustände“ (des Bewusstseins) [English: „altered states“], die beide Zustände umfasst, aber gleichwohl diese einzeln als zwei Untergruppen belassen. Deshalb ist der Begriff „veränderte Zustände“ nur eine gemeinsame Überschrift, worunter wir immer noch zwischen hypnotischen und nicht-hypnotischen Zuständen differenzieren müssen.
Heute werden Rückführungen größtenteils nicht-hypnotisch durchgeführt und das wirkliche hypnotische Vorgehen wird weniger oft als in Rückführungsarbeiten früherer Zeiten verwendet. Wir können allerdings keine scharfe Grenzelinie zwischen den zwei Zuständen ziehen, die sich in einer Grauzone dazwischen „vermischen“, sodass auch eine nicht-hypnotische Rückführung ein bisschen „pseudohypnotisch“ werden kann. Dies ist nicht unsere Absicht, aber wenn es so wird, können wir damit umgehen.
Die wirkliche Absicht mit jeder Induktionsmethode ist, an den rationalen Verstand vorbei eine mehr oder weniger direkte Kommunikation mit dem unbewussten Ich herzustellen. Sollte dann der Klient in der Rückführung schnarchen (was ich nie erlebt habe), ist dies nur aufgrund des entspannten Zustandes des Körpers, eher als irgendetwas anderes. Eine Kommunikation mit dem unbewussten Ich wird dann hergestellt sein, wenn er spricht und unsere Fragen beantwortet. Sollte er sich nach der Rückführung nicht erinnern, war der Zustand wahrscheinlich mehr oder weniger absichtlich hypnotisch, in welchem Fall es ein Fehler des Rückführenden war, die Suggestion zur Erinnerung nicht gegeben zu haben.
Rationale oder
intuitive Rückführung?
Eine
Rückführung, die vom Rückführenden in einer
ziemlich rationalen Weise durchgeführt wird, aus seinem rationalen
Verstand heraus, wird kaum so erfolgreich sein, wie wenn sie intuitiv
durchgeführt wird. Im Idealfall werden Rückführungen mit
wachsender Erfahrung des Rückführenden immer mehr intuitiv.
Der Rückführende tut manchmal etwas „aus dem Bauch
heraus“, das er nicht wirklich erklären kann, aber es
erweist sich als genau das Richtige. Das ist es, was wir anstreben
sollten.
Selbstverständlich geht es nicht darum, hier eine Art von medialer Arbeit anzustreben. Es scheint Rückführende zu geben, die – in einem gewissen Ausmaß – die Fähigkeit haben zu sehen, was der Klient noch nicht sieht oder dem er gar widersteht. Ich gehöre nicht dazu, staune aber manchmal darüber, dass der Klient mir gerade das erzählt was ich erwartet habe. Ich arbeite hingegen ziemlich intuitiv und stelle Fragen, wie sie mir in den Sinn kommen, ohne viel darüber zu denken.
Wir wollen, dass der Klient das Erste erzählt, was er sieht oder ihm ohne Nachdenken in den Sinn kommt. Sonst kann der rationale Verstand interferieren und die Dinge verzerren. Es ist aber wichtig, dass der Rückführende nicht etwas dem Klienten suggeriert, das er meint, kommen zu „sehen“. Versuchen wir den Klienten nach dem zu lenken, was wir „sehen“ oder glauben, dass es so kommen wird, könnte dies den Prozess ebenfalls verzerren, einfach weil unser Eindruck ziemlich falsch sein kann.
Wann ist eine
Rückführung abgeschlossen?
Es
scheint einige zu geben, die bestimmte Bedingungen dafür stellen,
wann eine Rückführung als abgeschlossen betrachtet werden
kann.
Für einen verantwortungsvollen Rückführenden kann es nie ein „Muss“ geben. Die Rückführung ist dann für fertig zu halten (zumindest für dieses Mal), wenn es genügend offensichtlich ist, dass das Problem gut oder zumindest einigermaßen gelöst ist. Das bedeutet, dass eine offensichtliche Ursache oder offensichtliche Ursachen wiedererlebt wurden und alle seelenverletzende negative emotionale Energien, die damals der Klienten in sich aufnahm, aufgelöst und durch neue Energien ersetzt wurden (symbolisch zum Beispiel mit Lichtenergie). In gewissen Fällen erkennen wir, dass wir dieses Mal nicht mehr tun können (zum Beispiel wegen unbewusster Widerstände, trotz unseren Bemühungen, diese zu überwinden) und dann sollten wir vielleicht eine Woche oder zwei später weitermachen (die Erfahrung zeigt, dass es dann viel besser gehen kann).
Zusammenfassung
Als Zusammenfassung von was so weit besprochen wurde ist es
offensichtlich:
Die verwendete Methode kann nicht Hauptgegenstand von Beurteilung sein, sondern viel eher, wie sie verwendet wird. Ob Bilderleben oder Visualisierungen gebraucht werden, oder nicht, und was für Bilder, ist nicht zu beurteilen. Jede Beurteilung hierbei könnte nur auf eine persönliche Meinung oder möglicherweise die „Tagesmode in der Wissenschaft“ begründet sein. Ob ein „inneres“, „visualisiertes“ oder „imaginäres“ Hilfsmittel verwendet wird – und welcher Art, sei es ein „geistiger Führer“ oder „Helfer“, ein „höheres Selbst“ oder ein „Buch des Wissens“ – ist nicht zu beurteilen. Dies ist alles eine Frage von „Therapiefreiheit“.
Zu beurteilen ist, wie die Methode angewendet wird. Die Hauptsache ist, dass sie in einer verantwortlichen Weise gebraucht werden muss, und dass das Grundprinzip jeder therapeutischen Arbeit die Liebe ist. Jede richtige Therapie ist eine Liebeshandlung. Das bedeutet, dass das primäre Ziel ist, den Klienten von seinem Problem frei zu machen und Katharsis zu erreichen – allgemein oder spezifisch in Bezug auf das Problem.
Ob der Klient mit nicht ursprünglichen Inhalten beladen oder in seinem Weltbild manipuliert wird, hängt nicht davon ab, was verwendet wird, sondern wie. Zum Beispiel definiere ich den „inneren Helfer“ dem Klienten als „eine symbolische Erscheinungsweise des eigenen unbewussten Ichs“. Da jeder weiß, dass wir ein unbewusstes Ich haben, ist das leicht verständlich und manipuliert nicht sein Weltbild. Es prägt ihm nicht eine neue Idee auf.
Es kann allerdings in Ausnahmefällen eine Frage des Mittels sein, das in der Methode verwendet wird. Aber solche Fälle wären außergewöhnlich.
Es darf nicht eine Glaubensvorstellung auferlegt werden, wie zum Beispiel, dass das problemverursachende Trauma in Wirklichkeit nie stattgefunden habe; dass man die Situation missverstanden habe. Methoden wie rescripting und reframing scheinen manchmal in diesem Sinne verwendet zu werden, auch wenn das nicht die allgemeine Idee davon ist. Werden sie aber zur Manipulation der Erinnerung verwendet, wird es missbräuchlich und man gibt dem Klienten eine Lebenslüge mit: die Lüge „Es ist nicht wirklich geschehen, ich habe nur geglaubt, dass es so war“, weil die Wahrheit tief im unbewussten Ich bleibt: „Es ist geschehen, obwohl ich mir einbilde, dass es nicht so sei.“ Dies führt zu einem inneren Konflikt, der allzu leicht das Problem wieder auftauchen lässt, vielleicht Jahre später. Was wir erreichen wollen ist: „Ich weiß, dass es geschehen ist, aber es macht mir nichts mehr aus; ich bin frei davon.“ Das hat damit zu tun, wie eine Methode verwendet wird.
[1] Ich verwende einfachheitshalber die männliche Form, aber meine selbstverständlich Männer und Frauen zugleich.